WAYTOYOU- Blog Beitrag 24/ 13. Januar 2026

Das schwere Los des Dranbleibens

- und wie es leichter gelingt

Lesezeit ca. 5 Minuten

Früher mochte ich den Winter nicht besonders. Ich liebe den Frühling und den Herbst und auch den Sommer, solange es nicht zu heiß ist. Aber der Winter war für mich lange Zeit einfach nur grau in grau und kalt und hat mich eher in einen Rückzug gebracht, als dass ich etwas Schönes darin sehen konnte.

Das hat sich jedoch verändert, seit ich mit dem Eisbaden angefangen habe. Man könnte sagen, ich habe mit der Kälte Freundschaft geschlossen. Und wenn mir das früher jemand gesagt hätte, hätte ich wahrscheinlich nur den Kopf geschüttelt. Ich konnte mir wirklich nicht vorstellen, freiwillig in kaltes Wasser zu gehen und daran auch noch Gefallen zu finden.

Der erste Impuls kam durch einen Bericht, den ich über das Eisbaden gelesen hatte. Etwas daran hat meine Neugier geweckt. Nicht dieses „härter, stärker, disziplinierter“, sondern eher das Gefühl von Präsenz und innerer Ruhe. Also wollte ich es ausprobieren – ganz für mich, ohne große Erwartungen.

Ich habe ganz simpel begonnen, mit 20 Sekunden kaltem Duschen nach einer ausgiebig warmen Dusche. Mehr nicht. Und dann habe ich mich selbst ein kleines Stück weiter herausgefordert und jeden Tag fünf Sekunden drangehängt. Ohne Druck, ohne Zwang, eher spielerisch. Irgendwann war ich bei zweieinhalb Minuten und es gehörte einfach dazu. Ich habe gemerkt, dass ich mich danach klarer, wacher und lebendiger gefühlt habe und begann schließlich, nur noch kalt zu duschen.

Der nächste Schritt kam ganz natürlich. Bei unserer morgendlichen Gassirunde im Herbst ging ich zum ersten Mal in den Fluss hier bei uns im Ort. Das Wasser war kühl, die Luft klar, alles ruhig. Ja, es war Überwindung. Definitiv. Aber ich stand dann zwei Minuten ruhig in der sanften Strömung, spürte das Wasser an meinen Beinen vorbeifließen und merkte plötzlich: Es wird besser. Je länger man drin steht, desto ruhiger wird es im Körper.

Diese Erfahrung war unglaublich für mich. Nicht nur körperlich, sondern vor allem mental. Als ich wieder aus dem Wasser kam, war ich wie ausgewechselt. Meine Stimmung war fast berauschend, mein Kopf klar, mein Körper voller Energie. Ich habe mich selbst gefeiert, nicht für Leistung, sondern für das Überwinden der eigenen Grenze und für das bewusste Dableiben.

Eisbaden hat meinen Blick auf den Winter verändert. Die Kälte ist für mich kein Feind mehr, sondern ein Lehrer geworden. Sie zeigt mir immer wieder, wie viel Kraft im Atem liegt, wie sehr Ruhe entsteht, wenn ich aufhöre zu kämpfen, und wie sehr ich meinem Körper vertrauen kann.