WAYTOYOU- Blog Beitrag 12/ 03.06.25
Wieviel ist genug?
Über Fülle in einer Welt des Mangels
Lesezeit ca. 5 Minuten
Vor kurzem war ich in einem schwedischen Möbelhaus. Du kennst es bestimmt – die blauen Taschen, die kleinen schön dekorierten Wohnungen, zwischendrin eine Schütte mit nützlichen Dingen hier, eine Schütte mit Kuscheltieren da.
Es war Samstag. Und ich war nicht allein. Gefühlt tausend andere Menschen schoben sich mit mir durch die Gänge. Jeder hatte irgendetwas in seinem Wagen: Kissen, Kerzen, Schüsseln, Regale, Pflanzen, Dekoration. Die blauen Taschen waren prall gefüllt. Auch meine.
Mitten in diesem Menschenstrom überkam mich ein seltsames Gefühl. Ich blieb stehen und fragte mich: Brauchen wir das alles wirklich? Wieviel Ressourcen werden wohl Weltweit dafür verbraucht, alleine in diesem einen Geschäft?
Natürlich – wir wollen es schön haben. Gemütlich. Modern. Behaglich. Ich auch. Aber zu welchem Preis?
Ich meine damit nicht den Betrag an der Kasse. Sondern den wahren Preis:
Was kostet uns dieses ständige „Mehr“ wirklich – emotional, gesellschaftlich, ökologisch?
Was macht es mit unserer Welt, wenn wir immer weiter konsumieren – Dinge, Eindrücke, Emotionen?
Diese Frage hat mich nicht mehr losgelassen:
Wie viel ist eigentlich genug?
Und wird es jemals genug sein?
Vielleicht kurzfristig – ein neues Kissen, ein schöneres Regal, ein frischer Duft für unser Zuhause. Die neuste Technik. Für einen Moment fühlen wir uns erfüllt.
Doch schon bald meldet sich ein neues Bedürfnis: Da fehlt doch noch etwas… Ich brauche noch mehr. Noch schöner. Noch neuer.
Wir identifizieren uns mit den Dingen, die wir besitzen – oft unbewusst. Unsere Einrichtung, unsere Kleidung, unsere Technik – sie werden zu einem Teil unseres Selbstbilds.
Doch genau darin liegt die Falle. Sobald wir uns mit Objekten identifizieren, landen wir langfristig im Mangel. Denn es sind nicht die Dinge, die uns wirklich erfüllen. Es ist der Raum zwischen den Dingen.
Die Leichtigkeit, die Freiheit, das tiefe Gefühl von genug sein – ganz ohne etwas besitzen zu müssen.
Es sind Gefühle wie Freude, Liebe, Freiheit, Verbundenheit, die uns wahre Erfüllung schenken. Nicht das, was wir kaufen – sondern das, was wir fühlen.
Was kostet es uns – wirklich?
Wenn wir etwas kaufen, bezahlen wir es nicht nur mit Geld. Wir bezahlen es mit unserer Lebenszeit.
Denn um dieses Geld zu verdienen, investieren wir Stunden, Tage, manchmal Jahre in Arbeit – oft in Aufgaben, die uns nicht mal wirklich erfüllen.
Ein neues Sofa, ein zweiter Fernseher – all das scheint uns kurzfristig Freude zu bringen.
Aber wie viel echte Zeit verbringen wir eigentlich auf diesem Sofa, in wirklicher Entspannung, im achtsamen Sein?
Und noch wichtiger:
Wie viel unserer kostbaren Lebenszeit haben wir dafür gegeben – an der Kasse des Lebens?
Vielleicht ist es an der Zeit, unseren Konsum nicht nur in Euro zu messen, sondern in Minuten, die wir nicht mit unseren Liebsten verbracht haben.
In Stunden, die wir nicht draußen in der Natur waren.
In Momenten, die wir uns selbst nicht gegönnt haben.
Wie können wir aus diesem Kreislauf aussteigen?
Wie können wir aus diesem Kreislauf aussteigen, den wir von Klein auf gelernt haben?
Das ist gar nicht so einfach.
Denn selbst wenn wir diesen Mechanismus durchschauen, heißt das nicht, dass wir ihn sofort loslassen können.
Diese Muster sind tief in uns verankert – gesellschaftlich geprägt, emotional verwoben, oft unbewusst.
Bewusstheit ist der erste Schritt.
Und Mitgefühl mit uns selbst der zweite.
Kein innerer Zeigefinger, kein „Du musst nachhaltiger leben!“ – sondern ein liebevolles:
„Was brauche ich wirklich? Und was erhoffe ich mir davon?“
Denn jedes bewusste Innehalten zählt.
Jede kleine Entscheidung für weniger Konsum und mehr Echtheit ist ein Beitrag – nicht nur für Dich, sondern für uns alle.
Jeder einzelne kann mitwirken.
Man denke nur an den Earth Overshoot Day – den Tag im Jahr, an dem wir weltweit die natürlichen Ressourcen aufgebraucht haben, die die Erde innerhalb eines Jahres regenerieren kann. Und dieser Tag rückt jedes Jahr weiter nach vorne. Für Deutschland war er 2025 am 03. Mai. Würden alle auf der Erde so leben wie wir hier in Deutschland bräuchten wir 3 Erden.
Ein deutliches Zeichen: So wie bisher kann es nicht weitergehen.
Aber es geht nicht nur darum, die Umwelt zu schützen, es geht auch darum, uns selbst zu schützen.
Denn wenn wir bewusster leben, bewahren wir nicht nur Wälder, Wasser und Luft –
sondern auch unsere innere Ruhe, unsere Energie und unsere Lebensfreude.
Weniger zu konsumieren bedeutet nicht weniger Leben – sondern oft: mehr Tiefe, mehr Verbindung, mehr Sein.
Vielleicht ist jetzt ein guter Moment, Dir selbst ganz ehrlich ein paar Fragen zu stellen:
- Was bedeutet Fülle für Dich wirklich?
- Welche Dinge in Deinem Leben nähren Dich – und welche füllen nur Lücken?
- Wofür möchtest Du Deine Zeit, Deine Energie, Deine Lebenskraft wirklich einsetzen?
Denn am Ende ist es nicht der schönste Esstisch, der uns satt macht – sondern das echte Gespräch, das Lachen, die Verbundenheit, die darauf stattfindet.
Immer Up to Date?
Du willst keinen neuen Beitrag verpassen? Dann melde Dich gerne für meinen Newsletter an.
Einmal im Monat sende ich Dir die aktuellsten Beiträge und News per Mail zu.