WAYTOYOU- Blog Beitrag 8/ 22.03.25


toxische Positivität 

vs. toxische Negativität -

zwei Extreme und ihre Auswirkungen


Lesezeit ca. 6 Minuten

 


Das Thema des heutigen Blogs kam mir, wie so oft beim Laufen. Vor dem Lauf war ich in den sozialen Medien unterwegs und dabei sind mir wieder zwei extreme aufgefallen. Es geht um die toxische also schädliche/ giftige Positivität – der Schein, dass man immer gut drauf sein muss und dass alles nur eine Frage der Einstellung ist. Die andere ist toxische Negativität – die Überzeugung, dass alles schlecht ist und sich nichts ändern lässt. Beide Extreme sind problematisch und können für Einzelne sowie für die Gesellschaft belastend sein.

Was ist toxische Positivität?

Toxische Positivität bedeutet, dass negative Gefühle nicht erlaubt sind. Sätze wie "Denk doch einfach positiv!" oder "Alles passiert aus einem Grund!" mögen gut gemeint sein, können aber dazu führen, dass Menschen ihre echten Emotionen unterdrücken. In den sozialen Medien sieht man oft Posts mit Sprüchen wie "Good Vibes Only", die vermitteln, dass es falsch ist, sich schlecht zu fühlen. Gerade in der psycho- spirituellen Scene wird von manchen fälschlicher Weise vermittelt, dass man durch negative Gedanken sofort negative Dinge anzieht und sich selbst negatives manifestiert und dies darum vermeiden sollte. Doch das ist absolut nicht der Fall.

Das Problem ist, wer seine negativen Gefühle verdrängt, kann sie nicht verarbeiten. Das kann auf Dauer ungesund sein, denn schwierige Emotionen gehören zum Leben dazu. Es ist völlig normal, auch mal traurig, wütend oder unsicher zu sein, und diesen Gefühlen darf und sollte man sehr wohl Raum geben.


Unser Gehirn ist darauf ausgelegt, Emotionen als Signalgeber zu nutzen. Freude, Trauer, Wut oder Angst haben alle eine Funktion: Sie helfen uns, unsere Umwelt zu verstehen und entsprechend zu reagieren. Wer negative Gefühle ständig unterdrückt, riskiert, dass sie sich irgendwann auf andere Weise äußern. Zum Beispiel durch Stress, innere Unruhe oder sogar körperliche Beschwerden. Studien zeigen, dass emotionales Unterdrücken langfristig das Risiko für Angststörungen und Depressionen erhöht.


Jemand, der nach einem Jobverlust ständig hört "Sieh es positiv, du findest bestimmt etwas Besseres!", kann sich unter Druck gesetzt fühlen. Anstatt sich mit der Trauer oder Unsicherheit über die Situation auseinanderzusetzen, wird das Gefühl unterdrückt – was dazu führen kann, dass es unterschwellig bestehen bleibt und zu längerem emotionalen Stress führt.

Was ist toxische Negativität?

Toxische Negativität ist das Gegenteil, eine durchgehend pessimistische Sicht auf die Welt. Menschen, die so denken, sehen überall nur Probleme und glauben, dass sich nichts zum Besseren ändern kann. Auch das ist problematisch. Wer kennt nicht jemanden, der nur noch von den Negativschlagzeilen und persönlichen Dramen spricht. In sozialen Medien äußert sich das oft in Empörung, ständiger Kritik oder dem Gefühl, dass sowieso alles sinnlos ist.

Wenn wir immer nur das Negative sehen, verlernen wir, das Gute wahrzunehmen. Unser Gehirn gewöhnt sich an diesen Dauerstress, und das kann auf Dauer zu Angst oder sogar Depressionen führen. Wer ständig denkt, dass alles schlecht ist, verliert die Motivation, überhaupt etwas zu ändern.


Unser Gehirn nimmt negative Informationen stärker wahr als positive. Aus dem einfachen Grund, weil diese früher für das Überleben wichtiger waren. Es ist ein Überbleibsel der Evolution, das sogenannte "Negativity Bias" (übersetzt Negativitätsverzerrung). 

Heute führt dieser Mechanismus aber dazu, dass wir uns in negativen Gedanken verlieren können, besonders wenn wir uns ständig mit schlechten Nachrichten oder destruktiver Kritik umgeben.

Eine Person, die sich nur noch in Foren oder sozialen Medien bewegt, in denen ständig über gesellschaftliche Missstände geschimpft wird, könnte beginnen, alles nur noch negativ zu sehen. Dadurch entstehen Frustration, Hoffnungslosigkeit und das Gefühl, keine Kontrolle über das eigene Leben zu haben.

Wie wirken sich diese Extreme auf uns aus?

Auf Instagram,  Facebook, TikTok & Co. gibt es eine Flut von extrem positiven oder extrem negativen Botschaften. Das kann uns beeinflussen, ohne dass wir es merken. Wer nur perfekte, glückliche Menschen sieht, könnte denken, dass mit ihm selbst etwas nicht stimmt. Wer nur negative Nachrichten konsumiert, könnte glauben, dass die Welt nur ein hoffnungsloser Ort ist.

Diese Extreme können dazu führen, dass Menschen sich nicht mehr trauen, echte Gefühle zu zeigen. Wer traurig ist, denkt vielleicht, er sei nicht "positiv genug". Wer optimistisch ist, hat vielleicht Angst, als naiv zu gelten. Doch beides gehört zum Leben dazu.

Ein Jugendlicher, der nur fröhliche, erfolgreiche Influencer sieht, könnte den Eindruck bekommen, dass alle anderen ein perfektes Leben führen – und sich selbst unzureichend fühlen. Umgekehrt könnte jemand, der sich nur mit negativen Nachrichten beschäftigt, irgendwann glauben, dass persönlicher Einsatz sinnlos ist, weil die Welt sowieso "kaputt" ist.

Ein gesunder Mittelweg

Der beste Weg ist, beide Extreme zu vermeiden. Es ist okay, sich schlecht zu fühlen, und es ist genauso okay, Hoffnung zu haben und positiv durchs Leben zu gehen. Wichtig ist, ehrlich mit sich selbst zu sein.

Strategien für ein gesundes emotionales Gleichgewicht

  • Akzeptiere deine Gefühle. Traurigkeit, Wut oder Frustration sind normal und dürfen da sein. Gefühle sind wie Wellen – sie kommen und gehen.
  • Suche nach Lösungen, statt in Negativität stecken zu bleiben. Probleme sind real, aber oft gibt es Wege, mit ihnen umzugehen.
  • Lass dich nicht von falscher Positivität täuschen. Niemand ist immer glücklich, auch wenn es in den sozialen Medien oft so aussieht.
  • Achte auf deinen Medienkonsum. Eine Mischung aus positiven und kritischen Inhalten hilft dabei, die Balance zu halten.
  • Praktiziere Dankbarkeit, ohne toxisch zu werden. Dankbarkeit kann helfen, den Blick für das Gute zu schärfen, aber das bedeutet nicht, dass man schwierige Gefühle ignorieren sollte.
  • Prüfe mit wem Du viel Zeit verbringen willst, welche Menschen Dich Wie beeinflussen



Stell Dir vor, Du hast einen schlechten Tag. Ein gesunder Mittelweg wäre, Dir einzugestehen: "Heute war anstrengend, und ich fühle mich nicht gut." Anstatt den Tag komplett als Katastrophe abzutun oder Dich zu zwingen, "trotzdem zu lächeln", kannst du Dir überlegen, was Dir jetzt helfen würde. Eine Pause, ein Gespräch mit einer/m Freund/in oder einfach Ruhe und eine Badewanne.


Zusammengefasst 

Gefühle sind weder gut noch schlecht – sie sind einfach da. Wir können lernen, sie anzunehmen, da sein zu lassen und mit ihnen umzugehen, anstatt sie zu verdrängen. Sie können uns manchmal überwältigen, auch das ist in Ordnung. Die sozialen Medien können ein verzerrtes Bild vermitteln – umso wichtiger ist es, sich bewusst mit ihnen auseinanderzusetzen und sich nicht von extremen Botschaften leiten zu lassen und mit einzusteigen. Aber auch bei Kontakten in Deinem Umfeld ist es gut einmal einen Blick darauf zu werfen mit wem Du Dich umgibst und wie diese Personen Dich beeinflussen.
 

Ein bewusster Umgang mit unseren Gedanken und Gefühlen hilft uns, das Leben mit mehr Leichtigkeit und Klarheit zu betrachten. 



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